Landunter auf der Hallig

Heute gab es auf der Hallig Langeneß ein kleines Landunter. Bei einem Landunter wird die Hallig überflutet. Halligen sind kleine Inseln in der Nordsee die nicht von einem Deich geschützt werden, stattdessen stehen die Häuser auf Warften (aufgeschüttete Erdhügel) die Häuser ragen bei einem Landunter aus dem Meer. Weltweit gibt es nur noch 10 Halligen.

Das Hochwasser sollte gegen 14 Uhr eintreffen, gegen Mittag waren bereits einige Vögel in Aufruhr:20181023_01-720

Um 13 Uhr überspülten die ersten Wellen die Halligkante:20181023_02-720

Hinten ist die Gischt an der Halligkante bereits erkennbar, trotzdem bleiben die Halligpferde völlig entspannt, sie sind Landunter gewohnt, auf Langeneß treten bis zu 20 Landunter im Jahr auf. Sollte das Meer ihnen zu nah kommen werden sie auf die Warft geführt:
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Landunter beginnt:
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Links die Warft Norderhörn, sie wurde bereits von der Nordsee umschlossen:
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Gegen 18:30 Uhr war alles vorbei, nur an einigen Stellen war die Hallig vollgelaufen, selbst die Sonne ließ sich sogar wieder blicken, am Horizont (rechts) schickte der Amrumer  Leuchtturm sein Licht wieder übers Meer, welche Idylle:20181023_07-720

Während im Westen die Sonne unterging, ging gleichzeitig im Osten ein ungewöhnlich großer Mond auf:
(Bildmitte links: die Halligkirche)
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Die Naturgewalten sind immer wieder faszinierend.
Ein einzigartiges Erlebnis, Hallig im Oktober!

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Kategorien:Hallig, Nordsee

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28 replies »

  1. Hallo Helmut,

    wieder einmal ganz starke Bilder! Unvorstellbar wie nah das Wasser den Häusern kommt, richtig unheimlich.
    Ein wenig erschreckend finde ich die Tatsache, dass es weltweit nur noch 10 Halligen gibt.

    Liebe Grüße, bis bald mal,
    Jörg

    • Danke dir Jörg,
      beim ersten mal ist es schon unheimlich wie nah die Meeresgewalten ans Haus kommen, aber wenn du das mal erlebt hast verliert es seine Schrecken.
      Melde dich doch einfach mal, gemeinsam könnten wir vielleicht mal tolle Hallig-Fotoexkursionen unternehmen.
      Lieben Gruß, Helmut

  2. Richtig spannend, so ein Landunter mal anhand Deiner eindrucksvollen Bilder miterleben zu können. Hier an der Ostseeküste war es heute auch recht windig bis stürmisch. Allerdings regnete es auch fast ununterbrochen. Das mochte ich meiner Kamera dann doch nicht antun.
    Herzliche Grüße von der Silberdistel

  3. Danke fürs Teilhabenlassen in ausdrucksstarken Fotos und Worten, so dass es nachvollziehbar wird. Wahrlich ein ganz außergewöhnliches Naturphänomen.

    • Ja, liebe puzzleblume,
      die Pferde waren wahrlich kein bischen beunruhigt und Recht hatten sie: außer ein faszinierendes einzigartiges Naturereignis ist nichts weltbewegendes passiert.

    • Feuchte Häuser sind mir nicht bekannt, und Keller gibt es auch. Aber viele Häuser haben einen gesonderten Schutzraum. Der befindet sich im Obergeschoss und ist mit Stahlbetonpfeiler ca. 5 m im Warftboden verankert, für eine extreme Sturmflut. Wurde nach der verheerenden Sturmflut 1962 Pflicht, wurde allerdings seitdem noch nie benutzt, da die Warften erhöht wurden und das Meer seitdem die Häuser nicht mehr wirklich bedroht hat.

  4. Ein Halligbewohner, der dieses „Land unter“ häufiger im Jahr erlebt, wird angesichts hohen Wellengangs und sich rasant nähernden Wassers nach Abschluss der notwendigen Vorkehrungen für die zu erwartende Überflutung vermutlich nur noch kurz die Augenbraue hochziehen und auf der Warft gelassen die Tür seinen Hauses hinter sich schließen.
    Wenn wenn ich nun deine Fotos betrachte, schwingt eine gehörige Portion Respekt mit. Respekt vor dem Wasser und einer solchen Naturgewalt – doch diesen Respekt kennen und zeigen die Bewohner der Hallig auch. Bei mir kommt Respekt vor ihnen hinzu. Dort zu leben und sich mit diesen Gegebenheiten zu arrangieren.

    Deine Aufnahmen sind beeindruckend, Helmut! Die Macht des Wassers … Dabei besonders der Wechsel von ungestüm eindringenden Wasserfluten und einer nahezu wieder völlig davon „befreiten“ Hallig. (Die Fotos mit dem Leuchtturm bzw. genau darüber zeigen wunderbar diesen enormen Kontrast, und das letzte Bild wirkt geradezu friedlich. Land, Himmel … Es lässt nicht einmal mehr ahnen, was nur Stunden zuvor an dieser Stelle los war.)

    Bin wieder einmal begeistert, wenn ich so etwas sehe und gratuliere zu den gelungenden Bildern!

    LG Michèle

  5. So ist es, liebe Michèle,
    die Halligbewohner sind wahrlich so relaxt bei einem normalen Landunter das sie tatsächlich nur kurz die Augenbraue hochziehen und die Tür hinter sich zuziehen, nicht schließen, abgeschlossen wird nicht, wer zu Besuch kommt geht in die Diele und ruft ob jemand zu Hause ist.
    Danke dir für deinen ausführlichen und wundervollen Kommentar!
    Moin, moin von der Hallig,
    Helmut

    • Danke dir.
      Die Halligbewohner sehen nicht das sie Mut brauchen um hier zu leben, sie finden es eher mutig in der Großstadt zu leben, mit aller Hektik und Gefahren. Ich habe 45 Jahre in Berlin gelebt, inzwischen glaube ich fast die Halliganer könnten sogar recht haben.

  6. Danke für die Fotos und den Bericht. Beeindruckend …
    Ich muss gestehen, dass ich sogar bei uns in Ostfriesland großen Respekt vor der Nordsee habe, auch wenn es hier kein „Landunter“ gibt.
    Vielleicht liegt es daran, dass wir erst seit 2 Jahren an der Küste leben.
    Aber wir genießen jeden Tag hier, ob mit oder ohne Sturm.
    Grüße aus Norden,
    Margot

  7. Moin Margot,
    klar Respekt sollte jeder vor der Nordsee haben, sogar ganz gewaltigen, das wird auch immer so bleiben. Nur ein Landunter ist auf der Hallig nichts erschreckendes, es sei denn es käme eine Jahrhundertsturmflut, die dann größere Schäden verursachen könnte.
    Die letzte Sturmflut bei der auf der Hallig Langeneß Menschenleben zu beklagen waren liegt fast 200 Jahre zurück und ist bis heute der höchste jemals auf der Hallig gemessene Wasserstand geblieben. Sie war im Jahr 1825, also ca. 8 Generationen in Folge haben eine solche dramatische Sturmflut gar nicht erlebt. Die letzte Sturmflut mit gewaltigen Sachschäden gab es 1962, liegt nun aber auch bereits schon wieder 2 bis 3 Generationen zurück. Inzwischen sind zusätzlich auch die Warften erhöht und die Häuser sicherer geworden.
    Herzlichen Gruß ins schöne Ostfriesland und genießt das Leben an der Küste,
    Helmut

  8. Klasse, Helmut, das muss echt ein eindrückliches Erlebnis sein. Kriechen die Vögel eigentlich irgendwo auf den Warften unter oder fliegen sie mitten in den Sturm? Liebe Grüße, Stefanie

    • Danke Stefanie.
      Bereits Stunden vor einem Landunter ziehen einige Vogelschwärme zum Festland. Andere suchen sich abgelegene Plätze auf möglichst unbewohnten Warften. Anbei ein Link zu einem Bild von der Peterhaitzwarf, welche damals noch unbewohnt war:
      http://halligbilder.de/03%20Landuenner/index.html#/view/ID136872 (hoffe der Link funktioniert)
      Irgendwann war die Warftböschung komplett belegt, als dann das Wasser noch weiter stieg gingen die Enten teils freiwillig oder wurden von den anderen Vögeln ins Wasser geschuppst, denn sie sind die besten Schwimmer.
      Schönen Gruß, Helmut

    • Danke Claudia,
      falls die Wasserstandvorhersage der BSH für den Pegel Hooge mehr als 1m über normalem Hochwasser voraussagt (ab ca. 7,50 m über Pegelnull) wird es auf Langeneß wahrscheinlich zu einem Landunter kommen. Die Vorhersagen sind meist schon 1 bis 2 Tage im Voraus relativ genau.
      Schönen Gruß,
      Helmut

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